In diesem Tipp n°3 schauen wir uns an, warum du dich einsam fühlst und was du tun kannst, um dieses Gefühl in etwas Schönes zu verwandeln.

Tipp n°3: Einsamkeit ist eine Frage der Wahrnehmung

Die Natur erkennt Leben, Sterben, Gemeinschaft und Einsamkeit als schöpfungsgegebene Bestandteile eines Zyklus, den wir alle durchleben. Dabei sieht die Natur keine Einteilung in „gut“ oder „schlecht“ vor. Die Natur wertet nicht.

Warum fällt uns Menschen dieser wertungsfreie Umgang schwer? Warum sehen wir beispielsweise Einsamkeit als etwas Negatives?

Dieser Wertung liegt das Gefühl zugrunde, dass wir unvollständig sind. Wir haben unbewusst das Gefühl, dass unsere Körperlichkeit uns von dem übergeordneten grossen Ganzen trennt. Wir fühlen uns ausgeschlossen.

Gemäss der buddhistischen und tibetischen Lehre ist der Körper jedoch keine Trennung, sondern eine feine Grenze, mit deren Hilfe wir uns selbst und unsere Mitlebewesen wahrnehmen und erkennen können.

Dein Körper als Medium der Bewusstwerdung

Dein Körper ist also das Werkzeug zur Bewusstwerdung. Dein Geist hingegen ist allgegenwärtig, er hat keine Grenzen und ist immer mit dem Geist von allem verbunden.

Wenn wir körperlos und immer eins mit dem Ganzen wären, könnten wir uns der anderen Teile des Ganzen nicht gewahr sein. Wie Wassertropfen im Ozean wären wir uns unserer selbst nicht bewusst. Unsere Seele in ihrer Individualität will aber wachsen. Sie will sich selbst erfahren!

Unter anderem möchte unsere Seele die verschiedenen Gefühlsarten erleben. Das klare Licht, das wir in Substanz sind, dekliniert sich in Empfindungen und Emotionen, die Kombinationen aus den Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft sind.

Wir erleben die Schwere und die Leichtigkeit des Elements Erde, das Fliessen und die Trockenheit des Elements Wasser, die Hitze und die Kälte des Elements Feuer, die Bewegung und die Starre des Elements Luft. Wir können uns dieser spannenden und schönen Empfindungen nur in einem Körper bewusst werden.

Aber bei Menschen ist es so, dass dieses Gefühl, in einem Körper zu sein, auch ein Gefühl von Einsamkeit generiert: „Ich bin einsam, ich bin nur allein für mich! Ich brauche unbedingt die anderen, damit ich mich wieder vollständig fühle“.

Sehr häufig liegt der Ursprung dieses Gefühls in der Kindheit. Das Kleinkind ist abhängig von seiner Mutter, es ist lange nicht in der Lage, allein zu leben. Es braucht Nahrung, Schutz, Zuwendung und Liebe.

Vor allem wenn es Schwierigkeiten gab, bleiben diese Erinnerungen von der Kindheit bewusst oder unbewusst erhalten: Wenn wir abgelehnt wurden, unsere Mutter oder unser Vater keine Zeit hatten, oder wir allein im Spital bleiben mussten.

Dein Körper ist keine Trennung, sondern das Medium zur Bewusstwerdung. Dein Geist ist allgegenwärtig, er hat keine Grenzen; er ist immer mit dem Geist von allem verbunden.

Wenn wir körperlos und immer eins mit dem Ganzen wären, könnten wir uns der anderen Teile des Ganzen nicht gewahr sein. Unsere Seele in ihrer Individualität will aber wachsen. Sie will sich selbst erfahren!

Unter der Dusche

Aber jetzt sind wir erwachsen, und es gibt viele Möglichkeiten, dieses Einsamkeitsgefühl zu überwinden und in einem gesunden Alleinsein umzuwandeln. Sehen wir uns nun dazu konkrete Handlungen an.

Vielleicht hast du manchmal das Gefühl von „Oh weh, ich werde nie umarmt“.  Das ist natürlich, Menschen sind Herdentiere! Es ist wunderschön, jemanden zu umarmen. Jedoch brauchst du nicht davon abhängig zu sein, ob gerade dafür ein anderer Mensch da ist.

Umarme dich lieber selbst, umarme dein inneres Kind und lasse dich von deinem mystischen Liebhaber oder deiner mystischen Liebhaberin umarmen. Und befreie dich damit von deiner Bedürftigkeit!

Schon, wenn du eine Dusche nimmst, kannst du dich umarmt und berührt fühlen. Wenn dir bewusst ist, dass das Wasser auch Geist ist, ein Ausdruck des Göttlichen, dann bist du vom Wasser umhüllt, und es ist so schön!

Es gibt Mantras, die du unter der Dusche rezitieren kannst, um dieses Gefühl zu verstärken. Mein Lieblingsmantra dafür wurde mir von meinem ersten spirituellen Lehrer, Joachim Weisser Wolf, gegeben. Wie jedes Mantra hat es viele Bedeutungen, hier ist meine:

Om Namo Bhagavate Vāsudevaya
„Ich verneige mich vor dir, gesegnetes Wasser,
Quelle der Freude und des Vergnügens“.

 

Vāsudeva ist ein Name von Krishna, in seiner jugendlichen Form, und verweist auf die spielerischen, freudvollen, bezaubernden Aspekten des Göttlichen.

Klar kannst du auch ein anderes Mantra oder Song wählen, z.B. „I’m singin’ in the rain“. Es gibt auch schamanische Regenlieder oder Anrufungen an dem Wasser. Aber du kannst auch ein eigenes Mantra oder Gedicht kreieren!

Noch mehr als die Worte ist vor allem deine innere Einstellung wichtig, dein Gefühl von Heiligem. Betrachte dabei das Wasser als ein Lebewesen, mit dem du in einen liebevollen Dialog treten kannst.

Natürlich kannst du auch eine Dusche mit deinem mystischen Liebhaber nehmen. Es ist eine wunderschöne Meditation. (siehe auch Teil 2)

Übung

Das nächste Mal, dass du dich einsam fühlst, experimentiere mit den folgenden 3 Ritualen, die du einzeln praktizieren kannst:

1.

  • Nimm 3 tiefe Atemzüge, dann lenke deinen Geist auf diesen Weg: „Ich bin nur in meinem Kopf einsam. In Wahrheit ist alles mit allem verbunden. Mein Körper ist keine Trennung, sondern ein Mittel der bewussten Wiedervereinigung. Auch wenn ich ihn manchmal nicht verstehe, ehre ich den Wunsch meiner Seele, diese Erfahrung zu machen. Ich bin dabei!
  • Bleibe ein Moment mit den Händen auf dem Herzen und fühle deine Einheit mit allem, jenseits des Körpers. Spüre, wie sich dein Körper in Licht auflöst, und bleibe in deiner wahren Natur, dem reinen Licht in der Leere, das auch die reine Liebe ist.

2.

  • Geh unter die warme Dusche. Nimm wahr, dass Wasser ein Geist ist, eine Wesenheit, eine Gottheit. Verbinde dich mit dieser Gottheit, fühle ihr Streicheln auf deiner Haut. Erinnere dich an das warme, geborgene Gefühl im Bauch deiner Mutter.
  • Schenke dem Wasser ein Mantra deiner Wahl. Im Text dieses Artikels oben findest du Vorschläge dazu.
  • Dann lade deinen mystischen Liebhaber/deine mystische Liebhaberin ein, diese Dusche mit dir zu geniessen. Spüre, wie er/sie sich eng an dich schmiegt, ihr seid eins. Fühle die Einheit, die Vollständigkeit.
  • Bleib ein paar Minuten unter der Dusche, jedoch nicht zu lang. Wie beim Essen kommt ein Moment, wo du satt bist. Trotzdem weitermachen schwächt das schöne Gefühl, statt es zu verlängern. Verlasse dann dankend die Dusche.

3.

  • Schreibe ein kurzes Gedicht, deiner Einsamkeit oder dem Wasser gewidmet. Zum Beispiel im Stil des japanischen Haikus (3 emotional berührenden Zeilen mit ca. 5-7-5 Silben, es muss nicht genau sein). Wichtig dabei ist, dass du tief in deine Gefühle hineingehst, und dass diese Gefühle im Gedicht spürbar werden. Zum Beispiel:

Die Sonne versinkt
hinter dem verschneiten Berg.
Komm, oh Einsamkeit!

  • Für die Widmung reicht es aus, wenn du ganz in deinen Gefühlen bist, während du das Gedicht schreibst. Deine Seele, das Element Wasser und die Einsamkeit lieben Gefühle!

Diese Übungen funktionieren natürlich nur, wenn du sie wirklich machst! Schaffe dir eine Auswahl von Übungen und Ritualen, und wähle jeden Tag diejenigen, die dich inspirieren.

Oder mach eine sogenannte Sadhana daraus: z.B. für 7 oder 21 Tage machst du jeden Tag die eine oder die andere Übung, dann wechselst du ab.

Wenn du Unterstützung möchtest, bin ich für dich da. Wenn dich die Einsamkeit gerade übermann, und du nicht mehr weiter weisst, lege ich dir mein Einzelcoaching „Einfach Reden“ ans Herz. Da kannst du einfach reden, und ich höre dir aufmerksam zu. Wie eine gute Freundin.

Ich wünsche dir viel Freude bei den Übungen! Alles Liebe für dich.

 

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